Starting-up in Life Sciences

Zeitgeist, Komplexität und Verticals

Business ist hart. Ein Startup aufzubauen ist härter. Ein Startup in Life Sciences ist…nun ja…sehr hart. Warum? Es gibt einige Aspekte, die einem Life Science Startup große Herausforderungen bereiten. In diesem Post beschreibe ich das klassische Szenario eines Spin-offs und teile mit Dir meine Erfahrungen.

Nur will ich Dich nicht mit den typischen Baustellen wie IP-Schutz, Geschäftsmodell, Zielmarkt, Wettbewerb, etc. langweilen. Lieber teile ich mich mit Dir meine Erfahrungen, über die die Mainstream-Quellen nicht schreiben. Das war einer der Gründe, warum ich einige Aspekte unterschätzt habe.

Der Zeitgeist

Ich starte mit etwas Nervigem. Der Tech-Hype hat uns alle erwischt. Fast jeder ist davon überzeugt, dass Realität simuliert und digitalisiert werden kann. Jedoch ist ein Life Science Startup nicht zwingend ein Digital Startup, obwohl Daten neben dem Experiment eine zentrale Rolle spielen.

Wenn Du also kein Digital Startup bist, bereite Dich als solcher wahrgenommen zu werden. Bereite Deinen Pitch so vor, dass die Menschen von Anfang nicht den Interpretationsraum bekommen, Dich als digitales Startup wahrzunehmen. Und da alle Experimente auch Daten erzeugen, pass gut darauf auf in welchem Kontext die Wörter „Daten“, „IT“ und „Automatisierung“ fallen. Es kann auch sexy sein, die Idee im digitalen Kontext zu verkaufen. Es hängt jedoch von Dir ab, wie Du die Buzz-Words mit Tatsachen in Übereinstimmung bringst.

Die Komplexität

Die Technologie in den Life Sciences beflügelt einen persönlich zu einer Vielfalt von Anwendungen. Ich weiß, wie verführerisch es sein kann, über das Potential seiner Ideen und Technologie auszuholen. Applikationen von und mit Proteinen eröffnet scheinbar unendliche Möglichkeiten in der Anwendung. Aber keiner wird es Dir abnehmen, solange Du nicht zeigt, dass die Anwendungen tatsächlich unendlich sind. Daher fokussiere Dich auf das Essentielle und auf Deine Stärken!

In unseren ersten Gesprächen wurde uns ein Rat gegeben, der immer noch nachhallt: „Es hört sich so an, als hättet ist eine großartige Idee und Technologie. Und nun stellt euch vor, dass euer Konzept alle zehn Finger darstellt. Der nächste Schritt wird sein, neun Finger abzuschneiden.“

Komplexe Probleme werden nicht durch noch komplexere Lösungen gelöst. Sie werden durch einfache Lösungen gelöst.

Die Verticals

In der Auswahl des Zielmarktes sollte man sich das wirkliche Potential vor Augen halten. Die Präsentation der Idee, des Produktes oder des Service vor dem Zielpublikum ist ein Muss. Du wirst sehr wahrscheinlich einsehen (müssen), dass ihr nicht die einzigen seid, die Lösungen auf dem Markt anbieten, daher muss die Value Proposition, Einzigartigkeit, Positionierung und Zuverlässigkeit klar formuliert und kommuniziert. Besser ist es, wenn das Konzept steht bevor Du mit den Experten sprichst.

Aber was ist mit benachbarten Verticals? Ich fand es außerordentlich lohnend mit Professionals aus den benachbarten Verticals und Business Development Beratern auszutauschen, um das Potential außerhalb des Zielmarktes zu antizipieren. Beispielsweise, benötigt das Design von industriellen Enzymen spezielle Technologien und Applikationen, die auch in der Pharmaforschung zur Anwendung kommen. Das war für mich ein unerwartetes Ergebnis, obwohl es absolut Sinn macht.

Die Balance

Es ist schwierig seinen Fokus von der zentralen Idee abzuwenden, da die Abschweifung den kompletten Verlust vom Fokus bedeuten kann. Daher brauchst Du die Balance zwischen den zwei gegensätzlichen Blickwinkeln: Fokus auf das Kerngeschäft und Erkunden des Potentials außerhalb des Fokus. Die beste Taktik das anzugehen, ist es, unterschiedliche Persönlichkeiten im Team zu haben, die das eine gut können und das andere nicht. Die Balance zwischen den Gegensätzen zu finden wird zu einem natürlichen Prozess. Der respektvolle Austausch zwischen den Talenten erzeugt Vertrauen, unglaubliche Ergebnisse und ganz neue Perspektiven, die man selbst sich nie erträumt hätte.