Worte bewegen nicht, Menschen bewegen!

Es wird gesagt, dass das Gründerleben wie eine Achterbahnfahrt ist. Dem stimme ich zum Teil zu. Warum? Nun, bei einem Startup kann es nicht nur in zwei Hauptrichtungen gehen, sondern in drei. Wobei die dritte Richtung mir die stärksten Sorgen bereitet. Die drei Richtungen sind: hoch, runter, halt.

Hoch
Wir können auf der Welle der Marktentwicklung reiten und unser Team leistet super Arbeit. Der Markt braucht das Produkt oder den Service und alles geschieht schnell. Hier und da tauchen Probleme auf und erzeugen hierbei nur wenig Reibung, die mit kleinem Aufwand gelöst werden.

Runter
Unausweichlich und notwendig für den Lerneffekt sind die Phasen, wo es bergab geht. Die Gründe können von der Makroebene, Timing, Konjunkturflaute, schwaches Startup-Ökosystem, und Mikroebene, Team, Produkt, fehlender Market-Fit, sein. Unterm Strich funktioniert es nicht. Und in diesen Zeiten der Selektion überleben dann nur die Besten, die sich selbst managen können, ein funktionierendes Business aufbauen und nicht auf Glück hoffen.

Halt
Für mich sind die Auf- und Ab-Szenarien gleichwertig, denn ich kenne die Richtung. Das ist einfach. Was mich höllisch unruhig macht, ist das Gefühl des Stillstands.
Was meine ich damit? Stellt euch vor, alle im Team tun etwas und erledigen ihre Jobs. Das sieht schon mal gut aus. Es wird gearbeitet! Aus der Vogelperspektive sieht es jedoch aus, dass man sich nicht bewegt. Das Startup entwickelt sich nicht. Die vielen Meetings und Diskussionen über die Technologie oder des Business Models werden euch nicht bewegen.

Das kann zu einer tödlichen Krankheit für ein Startup werden. Es ist Selbstzufriedenheit. Ich setze es mit Lethargie gleich. Für mich habe ich ein paar Wege gefunden, die Lethargie zu diagnostizieren und die Symptome zu heilen.

Symptom: „Die verstehen das eh‘ nicht“
Du präsentierst hier und dort deine Idee. Die Menschen, ja gar Experten, verstehen nicht so genau, was ihr macht. Irgendwie checken „die“ eure geniale Idee und überlegene Technologie nicht. Du erklärst dein Startup und deine Pläne, und jedes Mal werden die gleichen Fragen gestellt.
Hier solltest du sehr hellhörig werden. Wenn die Menschen nicht verstehen, was dein Plan ist, liegt es nicht daran, dass sie ungebildet sind und du genial. Es liegt daran, dass du deine Hausaufgaben nicht gemacht hast und jetzt trittst du auf der Stelle, und checkst das gar nicht.

Therapie: Empathie
Versetz dich in dein Publikum hinein. Nimm das Feedback sehr ernst, nutze deine Leidenschaft für deine Idee und mache sie unwiderstehlich. Am Ende des Tages geht es nicht darum, Recht zu haben, sondern es zu bekommen.

Nebenwirkung:
Du wirst eigene Annahmen aufdecken, die keinen Sinn machen.

Symptom: Komfort, alias Gruppendenken
Nachdem ein Startup Geld geraised hat, wird es immer eine Zeit des Komforts geben. Das ist wie Wochenendurlaub. Es tut einfach gut! Stell einfach sicher, dass du aus diesem mentalen Urlaub zurückkommst. Komfort kann zur Wurzel der Ineffizienz ausarten. Das willst du nicht! Du hast gerade angefangen eine großartige Zukunft zu bauen und du liebst diese Arbeit. Lass dich von Erfolgen nicht abstumpfen und taub machen. Gieße kein Wasser in dein Feuer der Leidenschaft. Die ersten Erfolge sind sicher nicht der Grund, warum du das Ganze angefangen hast.

Therapie: Selbstreflexion
1. Hast du relevante Meilensteine und hohe Ziele gesetzt? Wenn ja, fahre fort, ansonsten arbeite heute mit deinem Team daran. Ja, heute!
2. Werden wir unsere Ziele und Meilensteine erreichen? Sag nicht einfach so „ja“, um den Schmerz zu vermeiden, sonst wirst du nichts über eigenen Fortschritt lernen.
3. Das Wichtigste: Bewegst du dich in der richtigen Geschwindigkeit auf die Ziele zu?

Nebenwirkung:
Halluzinogen-artig: Die eigene Perspektive erweitert sich und „blind spots“ werden identifiziert.

Symptom: Hohe Erwartungen
Wir starten die Startup-Reise, um die Welt zu gestalten. Auf dieser Reise müssen wir auch uns selbst verändern. Sehr wahrscheinlich wird es Leute im Team geben, die sehr hohe Erwartungen an die Entwicklung des Teams haben. Und das ist absolut notwendig. Denn jemand muss ja das Team zur höchsten Performance navigieren. Du willst der beste werden und nicht der Durschnitt. Der Durchschnitt ist Gift für Startups. Ich setze meine eigenen Erwartungen grundsätzlich sehr hoch an. Wenn die Erwartungen in der Realität nicht erfüllt werden, sind anstrengend für mich. Ich beschäftige mich dann mit diesem Konflikt zwischen Erwartungen und Realität. Für dieses Problem habe ich eine eigene Lösung entwickelt, die zunächst kontraintuitiv erscheint:

Therapie:
1. Erhöhe weiter die Erwartungen an dich selbst! Werde besser, jeden Tag!
2. Hör auf, Ergebnisse von anderen zu erwarten und zeige auf die Notwendigkeit, besser zu werden. Erledige deine harte Arbeit besser und schneller! Lebe hohe Erwartungen vor! Dieses Feuer ist ansteckend und wird sich im Team verbreiten. Und das ist das Ergebnis, was du fürs Team willst: ein großartiges Team! Denn diese Teams bauen Großartiges auf!

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