COVID-19, Startups und Startup-Ökosysteme: Perspektive eines Gründers

Als Gründer und Ecosystem-Builder habe ich das Glück, beide Seiten zu kennen: Ich bin Gründer eines Biotech-Unternehmens und engagiere mich bei der Startup Heatmap Europe für internationale Startup-Ökosysteme.  Aus dieser Perspektive fühle ich mich verpflichtet, den Punkt zu betonen, dass die derzeitige COVID19-bezogene Situation für Startups sehr stressig ist – und die Ecosystem-Builder müssen dies gut verstehen.

Der allgemeine Modus eines Startups ist der Überlebensmodus. Nur wenn die Wirtschaft schrumpft, verschärft sich dieser Kampf und der Stress exponentiell. Ich werde die Gründerperspektive direkt auf den Punkt bringen und hoffe, dass dies zum Verständnis des Stressniveaus und der Probleme, die die meisten Startups haben, beitragen wird.

  1. Die Gefahren nicht unterschätzen

Häufig wird zu weich an Startups herangegangen. Ich glaube, dass eine solche Herangehensweise schon zu Beginn der Startup-Reise an sich gefährlich ist. Warum? Weil der Aufbau eines Unternehmens sehr schwierig ist und weil es dem Markt egal ist, ob das Produkt oder die Dienstleistung nicht marktgerecht ist. Ein zu weicher Ansatz und ein zu weiches Coaching könnten die Gründer in die Irre führen. Aber der weiche Ansatz ist in einer Krise noch gefährlicher. Die heutige Dynamik ist hier sehr deutlich:

Das Death Valley für Startups ist tiefer und breiter geworden. Hier muss man klare Worte sprechen. Liquidität ist unerlässlich, und es gibt klare Richtlinien (siehe Post von Sequoia an Gründer).

  1. Darlehen sind unverantwortlich

Die Regierungen erlassen Vorschriften für den Zugang zu Krediten für kleine Unternehmen und einige Ökosysteme fördern ihn als Lösung für das Liquiditätsproblem. Meiner Meinung nach ist die Förderung von Krediten unverantwortlich, solange ein Startup keine positiven Cashflows und/oder Reserven auf dem Bankkonto hat. Dieser Schritt würde das Problem nur hinausschieben und könnte je nach Unternehmensstruktur die Gründer im Falle einer Insolvenz möglicherweise in die persönliche Haftung führen. Es gibt immer Ausnahmen, aber in unsicheren Zeiten und schrumpfender Wirtschaft ist die Gründungsreise ein ganz anderes Spiel als in einer wachsenden Wirtschaft. Hier sind einige Worte von Mark Cuban über die Gründung eines Unternehmens mit einem Darlehen. Eine bessere Alternative kann ein Wandeldarlehen sein. Aber ich habe bisher noch kaum etwas von Regierungen gehört, die solche pragmatischen Lösungen anbieten.  

  1. Optimismus

Ein Unternehmen ohne Optimismus aufzubauen, ist eine schlechte Idee. Als Gründer in einer Krise den Optimismus zu verlieren, ist 10x schlimmer als eine schlechte Idee. Selbst in einer Krise werden Startups, die eine Wachstumshaltung haben, aus der Situation lernen, sich anpassen, vielleicht sogar pivoten und als Unternehmen, als Team und als Persönlichkeiten wachsen. Aber wir sollten keinen falschen Optimismusergreifen. Die Hoffnung, dass die Krise uns nicht hart trifft oder dass die Regierung in der Krise helfen wird bzw. alles richtig machen wird, ist falscher Optimismus. Die Annahme, dass die Krise härter und länger sein wird, setzt den Rahmen für die richtige Vorbereitung und Berechnung. Wenn die Krise weicher sein wird, dann wird das Startup noch besser abschneiden. Zieht euch also nicht in die Strategieplanung usw. zurück, passt euch an und führt sie aus. Und zwar schnell!

  1. Community Events

Startup Community Events sind für die Ökosysteme lebenswichtig! Bitte setzt diese online fort! Aber wir sollten uns mit den wirklichen Problemen befassen, die Startups im Moment haben: Liquidität, Wachstum, Kommunikation, Sichtbarkeit, Relevanz. Man kann zum Beispiel erfahrene Gründer und/oder Investoren, die einen wirtschaftlichen Downturn erlebt haben, vorstellen, damit sie ihre Erfahrungen austauschen können.

Hackathons zur Bekämpfung der Folgen von COVID-19 sind jetzt im Trend und sie werden das Wachstum eines “Cov-Tech-Clusters” anregen – für einige Startups sind sie also sicher eine Chance. Außerdem tragen sie dazu bei, ein positives Bild der Startup-Szene in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Wir haben großartige Beispiele wie Hack the Crisis aus Estland oder Tech4Covid19 in Portugal gesehen. Die harte Wahrheit ist jedoch, dass sie die kämpfenden Startups nicht am Leben erhalten – sie sind eher zeitaufwändige zusätzliche Aktivitäten, die Ressourcen aus der Rettung echter Startups abziehen. Ich bin froh, dass sie stattfinden, aber nicht jedes Ökosystem muss ein Hackathon organisieren, und nicht jeder Ecosystem-Builder muss aufhören, seine Arbeit zu tun, um einen Corona-Hackathon zu organisieren.

  1. Scheut euch nicht, unangenehme Fragen zu stellen

Was sind jetzt relevante Themen für Startups und Unternehmer? Was brauchen sie und was können Ökosysteme jetzt bieten?

Eröffnen sich aufgrund der aktuellen Situation neue Möglichkeiten?

Wie ist zu bewerten, wer sollte lieber Insolvenz anmelden und wer sollte weiterkämpfen? Wie evaluiert man, welche Unternehmen sich jetzt für einen Ausstieg vorbereiten sollten?

Ich weiß, dass diese Fragen unangenehm sind, aber sie sind jetzt Realität.

Es ist schon jetzt klar, dass starke Ökosysteme krisenresistenter sind, weil sie Ressourcen schnell mobilisieren und sich an die Bedürfnisse von Startups anpassen. Das Engagement der Ecosystem-Builder macht den Unterschied für das Überleben der von der Krise betroffenen Startups aus. Vielen Dank an alle, die Startup-Gemeinschaften am Laufen halten!

Dieser Post wurde auf Englisch auch auf startupsandplaces.com publiziert.

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